LIVING COLOUR – LAURA LUCHTMAN & ILFA SIEBENHAAR

Eine Welt ohne synthetische Farbstoffe. Das ist es, was den Designerinnen hinter „Living Colour“ vorschwebt. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts wurden alle Textilien mit natürlichen Pigmenten gefärbt – Pflanzen und Mikroorganismen waren die zwei Hauptquellen. Doch aufgrund der Abhängigkeit von Standortfaktoren und der limitierten Farbpallette pflanzlicher Farbstoffe, verwendet die Textilindustrie heute nahezu ausschließlich chemische Farbstoffe, die zum Teil giftig sind. Häufig sind diese nicht nur belastend für Mensch und Umwelt, sondern werden zudem aus nicht erneuerbaren Ressourcen wie Erdöl synthetisiert.

„Living Colour“ ist bereits im KEYHOUSE und den Sustainable Innovations bekannt: Schon vor zwei Saisons zeigten die Designerinnen Laura Luchtman und Ilfa Siebenhaar vielversprechende Versuche, Bakterien durch hohe Ton-Frequenzen zu vervielfältigen und sie mittels Vibrationen Muster auf textile Flächen malen zu lassen.

Dazu platzierten sie Petrischalen mit Bakterien und Stoffen direkt auf Lautsprechern, um einen möglichst großen Effekt zu erzielen, und steuerten über eine spezielle Software die Lautstärken. Die Ergebnisse erinnern in ihrer spontanen Unregelmäßigkeit an Batik.

Ein Jahr später folgt die Weiterentwicklung des Projekts: Den Designerinnen gelang es die Bakterien soweit zu kontrollieren, dass sie ein größeres Stück Stoff ebenmäßig einfärben können. Ein Durchbruch, der Färbeverfahren mit Bakterien für die Industrie immer interessanter macht. So verwundert es kaum, dass bereits erste Kollaborationen mit Designern und Unternehmen angelaufen sind.

Die Vorteile dieses innovativen Prozesses: Das Färbeverfahren mit Bakterien ist umweltschonend, da weniger Wasser benötigt wird und keine Chemikalien oder Fixiermittel zum Einsatz kommen. Die Pigmente sind zudem biologisch abbaubar. Eine Zukunft, in der die umweltbewusste Färbung von Textilien wieder dem Standard entspricht, rückt damit ein Stück näher.