Simon Angel im Interview – über Innovation, Prozesse und die neue Bedeutung von Wertschöpfungsketten

Simon, kann es Innovation ohne Herkunft, ohne Geschichte geben?

Das kann man so oder so sehen. Zum einen definiert sich Innovation ja gerade darüber, zu innovieren, also etwas vollständig Neues zu denken, zu machen oder eben zu designen. Eine Innovation ist nicht nur die Verbesserung von etwas bereits Bestehendem. Zum anderen steht hinter jeder Innovation ja ein Innovator. Jemand, der die richtigen Fragen gestellt hat. Jemand, der einen neuen Denkprozess angestoßen hat. Der die Führung und die Verantwortung für diesen vollkommen neuen Prozess übernommen hat. Diese Innovatoren, können selbstverständlich nur aus einer hochindividuellen Konstitution heraus innovieren. Und diesen konstitutionellen Kontext kann man nicht ohne persönliche Herkunft und Geschichte verstehen.

Was ist denn die Geschichte der Sustainable Innovations?

Sustainable Innovations sind eingebettet in die CSR- und Nachhaltigkeitsagenda der MUNICH FABRIC START. Sie stehen auf Augenhöhe mit dem ReSOURCE Areal. Während ReSOURCE unmittelbar an die Sourcing-aktivitäten im MOC angekoppelt ist und dort Insights transportiert, sind die Sustainable Innovations im KEYHOUSE verortet und haben den Anspruch, zu inspirieren und in die Zukunft zu denken. Letzten September haben wir herausgearbeitet, dass sich das kontemporäre Designparadigma verändert: Kreative fokussieren sich und ihre Schaffenskraft immer intensiver auf die hinter einem Produkt oder Service stehenden Wertschöpfungsketten und nicht mehr nur auf die Gestaltung des Endresultats.

Die These ist also, dass die junge Designavantgarde ihren Kreativethos entgrenzt und ein Bewusstseinswandel stattfindet: vom Produkt- zum Prozessdesign?

Ja, und ich finde es hochspannend, parallel zu dieser Transformation arbeiten und sie begleiten zu dürfen, bedeutet sie doch, dass Kontext, Kontakt und Kollaboration die neuen Attribute für gute Kreativarbeit sind – zeitgenössisches Design wird damit zu einer mehrdimensionaleren und persönlicheren Erfahrung. Es ist also nicht nur die Welt, die sich momentan verändert – mit ihr verändern sich die Industrie, die Märkte, die Verbraucher; alles. Es ist wichtig zu verstehen, dass „sich verändern“ selbst kein revolutionäres Konzept wäre. Wir entwickeln und verändern uns schon immer. Aber unsere Ära unterscheidet sich in einem wesentlichen Momentum: Wir haben mehr Möglichkeiten zu teilen, als wir es je hatten. Wir können uns mit Menschen auf der ganzen Welt connecten. Deshalb ist jetzt die Zeit, in der die Menschheit und jeder einzelne eine moralische Position einnehmen muss, was ist “richtig oder falsch“? Und in fast jedem Punkt eines Entscheidungsprozesses gilt es eine moralische Bottom-Line implizit und unterbewusst zu beantworten! Wenn ich darüber so nachdenke, fällt mir direkt Ice Cube ein: “Check yourself before you wreck yourself!“

Ja, manchmal sind Kreativität und Innovation ein Dschungel. Welchen Pfad schlagen die Sustainable Innovations denn diesen Winter ein?

Es geht um drei Werte: Virtue | Value | Volume. Mit diesem Episodentitel verweisen die Sustainable Innovations gleichzeitig auf den vergangenen September und auf die eben beschriebenen fortlaufenden Entwicklungen, deren Zeuge wir gerade werden. Generell lässt sich beobachten, dass wir Tugenden und Werten immer mehr Beachtung und Aufmerksamkeit schenken. Das ist eine durchaus konstruktive und positive Antwort auf aktuelle gesellschaftliche Probleme und Herausforderungen. Denn wir nehmen uns Zeit, um zu “wertschätzen“: was wir tragen, verwenden, aber auch die Menschen, denen wir begegnen oder mit denen wir zusammenarbeiten.

Wo kommt Volume ins Spiel?

“Volume“ ist ein neuer Bestandteil unseres moralischen Kompasses. Diese Entwicklung hat Auswirkungen auf die Art und Weise, wie wir als Endverbraucher agieren; auf unser Verbraucherverhalten. Wir alle tragen unsere individuelle Verantwortung in unserem nachhaltigen „Act“. Und ja, Optimismus ist eine moralische Verpflichtung!