BILLIE VAN KATWIJK – VENTRI

Als Billie van Katwijk zum ersten Mal einen Kuhmagen sah, wusste sie nicht was sie betrachtete. Auf einem Markt in Italien fiel ihr das hautartige Material mit den vielfältigen Strukturen und Texturen ins Auge. Es weckte bei ihr Assoziationen von Honigwaben. Hier und da meinte sie, Rüschen und Faltenwürfe zu erkennen. Die mysteriöse Aura des Materials faszinierte die Designerin. Kuhmägen für luxuriöse Produkte? Warum nicht!

Billie van Katwijk recherchierte: „Trippa“, ein Gericht aus Kutteln, gilt in Italien als kulinarische Spezialität. In anderen europäischen Gegenden werden Kuhmägen weniger wertgeschätzt und daher oft mals in Länder wie China oder Russland exportiert. In den Niederlanden werden sie im besten Fall noch für Hundefutter verwendet.

Für ihr Projekt „Ventri“ studierte Billie van Katwijk die vier verschiedenen Kuhmägen und ihre einzigartige Ästhetik, der eine natürliche Funktion zugrunde liegt. Was passiert letztendlich mit dem Wert des Materials, wenn es zu Designertaschen oder Sitzmöbeln für edle Interieurs wird? Um das Material für den Gebrauch zu optimieren, gerbt sie die Mägen in aufwändigen Verfahren im Labor. Parallel dazu entwickelte sie eine Taschenkollektion, deren klare Linienführung das Material voll zur Geltung kommen lässt. Die runden Silhouetten haben ihren inspirativen Ursprung in den Formen der Mägen.

Gemeinsam mit der niederländischen Designagentur Moooi gestaltete sie außerdem einen edlen Pouf, der mit dem Magenleder gepolstert ist. Billie van Katwijks Projekt zeigt, wie einem vermeintlich minderwertigen Material durch Design eine neue Wertigkeit verliehen werden kann.