SANNE KARSSENBERG – STORIES OF THE CHANGING ROOM

Massenproduktion ist alles andere als individuell. Wie kann man da seine Einzigartigkeit wahren? Mit dieser schon fast philosophischen Frage beschäftigte sich Sanne Karssenberg im Rahmen ihrer Abschlussarbeit am Sandberg Institut für Design und Fine Arts in Amsterdam.

Immer mehr Menschen. Immer mehr Kleidung. Megakonsum. Und doch möchte jeder individuell gekleidet sein. Mit dieser Problemstellung hat sich Sanne Karssenberg in ihrer Abschlussarbeit befasst. Dabei hat sie versucht, eine Produktionsform zu finden, bei der die individuelle, emotionale Bindung zu den gefertigten Produkten bestehen bleibt. Recycling bietet hier spannende Möglichkeiten. Karssenbergs Ansatz: Der Konsument soll den Recyclingprozess miterleben und durch dieses Erlebnis den neu entstehenden Produkten eine spezifische Bedeutung zukommen lassen.

In einem künstlerischen Kurzfilm zeigt Karssenberg wie aus getragenen Kleidungsstücken Hemden mit einer neuartigen Oberflächenstruktur entstehen, die individuelle Geschichten erzählen. Zentrales technisches Element des Films und ihrer Zukunftsvision ist eine Staubkabine, die einen Wirbelwind aus Stofffasern produziert und in einem Raum steht, der an ein Labor erinnert. Getragene Kleidungsstücke werden mit einem Häcksler zerkleinert und über einen Schlauch in die Staubkabine transportiert. Dort finden sie als federähnliches Dekor auf einem weißen Hemd ihre neue Heimat.

Das Hemd steht symbolisch für die Uniformität unserer heutigen Garderobe, ist gleichzeitig eine Metapher für eine weiße Leinwand und wird zur Produktionsfläche der emotional aufgeladenen, transformiert-recycelten Kleidungsstücke. Die zerfaserten Textilien, feine Stofffetzen und Fasern, stehen sinnbildlich für Individualität und füllen die einst inhaltsleere Fläche.

Prozess und Produkt werden eins, involvieren dabei den Voreigentümer des jetzt geschredderten Kleidungsstücks – die einstige Verbundenheit wird wieder ins Gedächtnis gerufen und in diesem Dialog entsteht ein emotionaler Mehrwert. Ein Vorgang, der Träger wie Kleidung involviert und einen Augenblick der Reflexion birgt, der dem Moment der Selbstspiegelung ähnelt, wie man ihn aus Ankleideräumen kennt. Was könnte als Titel für das Projekt also besser passen als: „Stories of the Changing Room“.