STUDIO TJEERD VEENHOVEN – ALGAE FABRICS

Produktdesign mit ungewöhnlichem Fokus: Das Studio Tjeerd Veenhoven entwickelt Wertschöpfungsketten – vom Rohstoff über das fertige Produkt bis hin zum Kundenerlebnis. Nun hat das Studio ein spezielles Verfahren entwickelt, bei dem Algen zu Garnen verarbeitet werden und so eine nachhaltige, recycelbare Rohstoffalternative für Textilien darstellen.

Bis zum Jahr 2050 wird sich die Textilindustrie verdreifachen. Wenn man außerdem weiß, dass 95% aller Textilien derzeit nach ihrer Nutzung verbrannt werden und die aktuelle Branchen- und Industrierealität weit entfernt von einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft ist, dann stehen wir in der Konsequenz vor einer ungebremsten Ressourcenextrapolation. Durchaus beunruhigend, wenn man überlegt, was das für Konsequenzen für unseren Planeten haben könnte. Oder auch nicht? Tjeerd Veenhoven vom gleichnamigen niederländischen Designstudio hält Pessimismus für unangebracht: Er sieht in der auf uns zukommenden Herausforderung viel mehr die Chance, mehr nachhaltige Produktionstechniken innerhalb der Modeindustrie zu etablieren.

Mit seinem Projekt „AlgaeFabrics“ hat das Studio eine Technik entwickelt, die Algen als textilen Rohstoff nutzbar macht. Algen sind in Ozeanen und Seen auf der ganzen Welt heimisch und haben einen bedeutenden, positiven Effekt auf den Kohlenstoffzyklus, der wiederrum einen hemmenden Einfluss auf die globale Erwärmung hat. An Orten, an denen Algen ein exzessives Wachstum an den Tag legen, stellen die Pflanzen allerdings auch ein Problem für die Wasserqualität dar. Deshalb werden sie entfernt und anschließend ohne einen weiteren Nutzen kompostiert oder verbrannt.

An dieser Stelle setzt das von Tjeerd Veenhoven entwickelte Verfahren an: Die Algenart Cladophora ist reich an Zellulose und kann durch die innovativen Prozesse von Veenhoven zu Garnen für die Textilindustrie weiterverarbeitet werden. Dabei werden die Algen zunächst gesammelt, gewaschen und getrocknet, pulverisiert und schließlich zu vegetabilen Filamentgarnen verarbeitet, die dann wiederum vielfältig einsetzbar sind. Ein zukunftsweisendes Projekt – das sieht auch die Jury der H&M Foundation so: Algae Fabrics wurde bereits 2015 mit deren Global Change Award als eines der Top-Fünf-Konzepte für eine nachhaltige und kreislauffähige Modeindustrie ausgezeichnet.